Montag, 30. März 2020
covid-corona-blog #14: Geburtstag


Geburtstag in Zeiten des Virus. Bei dem Kuchen handelt es sich um Brownie (Mehl, Zucker, Butter, Eier und Kakao haben wir noch). Allerdings hatten wir keine andere Kerze als diese, die eigentlich für Notfälle gedacht ist.

Haltet durch!


siehe auch: #13

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Sonntag, 29. März 2020
zusammenhangslos
You Can Now Access 1.4 Million Books for Free Thanks to the Internet Archive
Bücher können nie schaden (fragt mal den AK).

Uni Gießen nach Cyber-Attacke größtenteils wieder online
Siehe auch: hrz offline

BrachioGraph - the cheapest, simplest possible pen-plotter
Neue weblink, siehe auch: Maul Paul

Offensive Herbst 87 - Selbstmord
Hab ich irgendwo gefunden, aber selbst noch nicht gehöört.

Implantação de Viveiro de Mudas - Manual de Orientação
Könnt Ihr ignorieren.

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Samstag, 28. März 2020
covid-corona-blog #13: backe-backe-Kuchen
Uns geht die Schokolade aus. Da hilft nur eins: Kuchen backen. Dafür braucht man aber auch krasse Zutaten, wie z.B. Butter und Eier. Die Chips sind leider noch schneller alle. Von Bier wollen wir gar nicht erst sprechen.

Zum Glück gibt's das Internet:
Coronavirus-Stillstand: Lockdown-Tipps für das Wochenende (pünktlich mit einer Woche Verspätung)
The Oddition (auf NOFX ist Verlaß).


siehe auch: #12


Nachtrag: Natur erholt sich wegen Corona

Nachtrag (28.3.2020): Haltet durch!

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Freitag, 27. März 2020
covid-corona-blog #12: Flieger
Nächste Woche sollte eigentlich unser Flieger zurück nach Europa gehen. Da wir jetzt hier bleiben und sowieso alles still steht, habe ich mir mal angesehen, wie das mit dem Umbuchen geht. In den Medien heißt es ja immer die Fluggesellschaften wäre sehr kulant.

Auf der website der Fluggesellschaft heißt es:
"Wenn Sie ein Ticket für stornierte oder bestehende Flüge der [Fluggesellschaft] haben, können Sie dieses Ticket behalten, ohne sich zunächst auf ein neues Flugdatum festlegen zu müssen. Hierbei werden bestehende Buchungen zunächst gestrichen, Ticket und Ticketwert bleiben aber bestehen und können auf ein neues Abflugdatum bis einschließlich 31. Dezember 2020 umgebucht werden." Das klingt doch ganz vernünftig.

Diesen Satz verstehe ich allerdings nicht:
"Zudem bieten wir Ihnen bei Umbuchung 50€ Discount auf den Ticketpreis an." Ich will ja kein neues Ticket kaufen.

"Umbuchungsgebühren entstehen natürlich weiterhin nicht, egal welcher Tarif gebucht wurde." Das klingt wieder besser.

Auch dies klingt vernünftig:
"Sie müssen unser Service Center aber nicht vor dem originären Flugdatum kontaktieren – Ihr Ticket behält seine Gültigkeit und kann jederzeit, jedoch spätestens bis 31. August 2020, umgebucht werden. Auch nach dem Verstreichen des geplanten Flugdatums, sind Umbuchungen möglich."

Ob das alles so klappt, bleibt abzuwarten. Meine Befürchtung ist ja, daß die Fluggesellschaften alle ein Bailout bekommen und dann doch die Passagiere abzocken. Bisher sieht es nicht danach aus, aber es bleibt abzuwarten. Nach dem ganzen Shutdowns kosten die Flüge wahrscheinlich doppelt so viel wie vor der Kriese.

Haltet durch!


siehe auch: #11

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Mittwoch, 25. März 2020
covid-corona-blog #11
Inzwischen werden auf Twitter die ersten Toten gemeldet. D.h. die Menschen schreiben über jemanden, den/die sie kannten. Ein Kollege meinte: Viele werden überleben, aber jeder wird jemanden kennen, der gestorben sein wird. Auch in unserem Bekanntenkreis über zwei Ecken ist jemand dem Virus zum Opfer gefallen (mit 65J).

Haltet durch!


siehe auch: #10

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zusammenhangslos
Google Books: 100.000 neue alte Bücher aus Antwerpen
Bad North - A Minimalistic, Real-Time Tactics Roguelite with Vikings
BOXHAMSTERS live im Conne Island; 29.09.2000*


* Die Boxhamsters stammen bekanntermaßen aus Gießen

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Dienstag, 24. März 2020
Engelszungen
Am Sonntag habe ich endlich Dimitre Dinevs „Engelszungen“ fertig gelesen (mit einfachem 'e'). Es handelt sich um einen gut 600 Seiten starken Schmöker, den ich seit ein paar Wochen bzw. Monaten laß. In dem Gesellschaftsroman geht es um das Schicksal zweier bulgarischer Familien, die über Generationen immer mal wieder unbewußt, manachmal auch bewußt, in Kontakt kommen. Da sich der Roman über so eine lange Zeit erstreckt, werden auch verschiedene historische Ereignisse und Entwicklungen aufgegriffen und haben bisweilen einen maßgeblichen Einfluß auf das Geschehen. Ein Großteil spielt in Plovdiv, Bulgariens zweitgrößter Stadt.

Wenn man Bulgarien, seine Geschichte und Kultur ein bißchen kennt, dann wird man viele Details wiederfinden, die über die üblichen Klischees hinausgehen, was durchaus charmant ist. Die Geschichte und seine Charaktere sind gut und kreativ aufgebaut und verwoben. Es tauchen immer mal wieder Dinge auf, die hunderte Seiten vorher und 1-2 Generationen früher eine Rolle spielten. Die Handlung nimmt spannende Wendungen, die zumindest mich neugierig gemacht haben. Während die erste Hälfte eher an eine Aneinanderreihung seiner Kurzgeschichten erinnert, passiert ziemlich genau in der Mitte etwas, das mich beinahe dazu veranlaßt hätte, das Buch wegzulegen. Das Ende des Kommunismus, die Misere und Trostlosigkeit stellt Dinev gut dar, ohne es zu sehr auszubreiten. Er spielt mit der Sprache und manche Symbole sind geschickt eingesetzt. Zungen und Engel tauchen zum Beispiel wiederholt mehr oder weniger beiläufig auf.

Es gibt aber auch ein paar Sachen, die ich kritisch sehe. Abgesehen von ein paar Rechtschreibfehlern, die selbst ich gefunden habe, wandeln sich manche Charaktere zu stark, so daß man fast denken könnte, es ist eine andere Person. Teilweise ist das vielleicht sogar Absicht, denn die Armut nach dem Systemwechsel hat die Menschen stark getroffen und viele verändert. Trotzdem sind manche Wandel schwer nachvollziehbar und teilweise übertrieben. Sex kommt dauernd vor und ist zwar nicht zu explizit, aber vielleicht zu präsent. Ich hatte so meine Schwierigkeiten mit den vielen Charakteren. Da hilft es auch nicht, daß die Innenseiten der Buchdeckel die Stammbäume der beiden Familien zeigen. Legt man das Buch zu lange weg, dann ist man schnell draußen.

Fazit: Beim Lesen denkt man immer jetzt hat sich ein Paar gefunden, um glücklich zu werden, aber dann kommt doch wieder etwas dazwischen. Das Leben ist hart und man muß permanent kämpfen. Manchmal hat man Glück, muß aber auf der Hut sein, denn jeder Zeit kann einem das Schicksal einen Strich durch die Rechnung machen. Mir haben die Engelszungen nicht uneingeschränkt gefallen, aber ich bin froh, das Buch gelesen zu haben und finde es folglich lesenswert. Ob jemand, der keinen Bezug zu Bulgarien hat, etwas damit anfangen kann, ist eine andere Frage.

Hashtag: Literaturquadrat

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covid-corona-blog #10: Spekulatius
Ok, ich spekuliere mal wieder. Ich vermute, in den nächsten Wochen werden die Test massiv ausgeweitet. Dadurch können infizierte Mitmenschen isoliert und ansonsten das öffentliche Leben zumindest teilweise wieder hergestellt werden. Das wird dann möglicherweise noch mit Handydatenauswertung kombiniert. Die Alternative, Ausgangssperren etc. über Monate auszudehnen, wie es nötig ist bis die Fallzahlen abflauen, wäre nämlich zu fatal für die Wirtschaft. Mal sehen ...


siehe auch: #9

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Montag, 23. März 2020
covid-corona-blog #9: Schnelldurchlauf
Ich will Euch auch heute wieder covid-mäßig bei Laune halten.

- Habt Ihr Euch auch schon gefragt, warum es in Rußland so wenige Fälle gibt? Gerüchten zufolge, sollen die Ärzte oder wer auch immer den Tod feststellt, Anweisung erhalten haben, als Todesursache "Lungenentzündung" anzugeben.

- Inzwischen denke ich, man sollte so viele Menschen wie möglich testen. Das hätte nämlich auch den Vorteil, daß Menschen, die die Krankheit schon hatten, Aufgaben übernehmen können, die sonst zu gefährlich wären.

- Zum Schluß noch dieser Link: covid-19 scenarios

Haltet durch!


siehe auch: #8


Nachtrag (25.3.2020): Forecasts by Country

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Sonntag, 22. März 2020
buchen kacken (jetzt aber!)
Hätte ich gewußt, daß es so einfach ist, Brownies zu backen, dann hätte ich das schon längst mal gemacht. Gestern habe ich nämlich höchst erfolgreich das ysac-Rezept reproduziert. Das ist offiziell der erste Kuchen, den ich in meinem Leben gebacken habe (im Alter von 54). Früher hatte ich schon mal einen kalten Hund für die Arbeit angefertigt, aber der wird ja nicht gebacken. Aus religiösen Gründen darf ich das ja nicht, es war also eine Ausnahme und ich muß das bei nächster Gelegenheit beichten. Tanzen darf ich natürlich auch nicht.

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Samstag, 21. März 2020
covid-corona-blog #8: Spekulationen und Fragen
Auf twitter hatte ich eine Abbildung gesehen, auf der covid mit der Temperatur abnimmt. Die Korrelationen waren aber sehr schwach.

In Deutschland sind die Kreise in Ostdeutschland weniger betroffen, d.h. auch relativ pro Einwohnerzahl. Vorausgesetzt, dort wird genauso getestet wie sonst, könnte das auf einen Einfluß der Einwohnerdichte hindeuten. Wäre auch plausibel - je enger die Leute aufeinander hocken, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.

Dann frage ich mich noch, ob das Virus UV-Licht oder Ozon-Begasung überlebt. Wenn nicht, dann könnte man zumindest Gegenstände von dem Virus befreien. Evtl. relevant für Geldwäsche.

Ansonsten geht es mir wie Stefan, ich kann das Thema auch nicht mehr hören/lesen.


siehe auch: #7

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Freitag, 20. März 2020
covid-corona-blog #7
Ich bin sicherlich nicht der erste, der feststellt daß die Coronoa-Krise auch was gutes hat. Hier sehe ich unter der Woche mehr Jogger und Radfahrer als sonst am Wochenende. Bedenkt man, daß außerdem die Luftverschmutzung geringer ist, dann machen die kraß was für ihre Gesundheit.

Unterdessen hat das Konsulat in San Francisco versehentlich eine Schlüsselliste anstelle eines Briefes verschickt. Kann mal passieren. Das ist schon eine krasse Situation. Das Auswärtige Amt muß auch zusehen, daß ihre Leute nicht krank werden. Wer soll denn dann die ganzen Deutschen zurück bringen?

Abschließend mußte ich an meine Pflanzen denken. Vor unserer Ausreise habe ich sie zur Arbeit gebracht und in den Büros der Kollegen verteilt. Die machen jetzt aber alle Home-Office. Das wird es wohl gewesen sein.


siehe auch: #6

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covid-corona-blog #6: zusammenhangslos
- Spatio-temporal propagation of COVID-19 epidemics
- Kalifornien rechnet mit mehr als 25 Millionen Coronavirus-Infektionen
- Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) zur Verbreitung des neuen Coronavirus (SARS-CoV-2)
- Coronavirus: The Hammer and the Dance
- Just The Flu


siehe auch: #5 (lebt)

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Donnerstag, 19. März 2020
covid-corona-blog #5: Bitterstoffe
In Neukölln gibt es ein kleines Bekleidungsgeschäft namens Süßstoff, das *bio *fair *vegane Mode und Geschenke verkauft. Dort habe ich schon öfter mal was gekauft und auch hier verlinkt.

Jetzt müssen sie natürlich schließen und schreiben auf fb:
"Wir sind gerade dabei, einen kleinen Onlineshop einzurichten und die Zeit bis zur Wiedereröffnung zu überbrücken! Wer etwas braucht, kann uns aber auch gerne ... Bescheid geben. Wir liefern per Fahrrad oder Post :) Wir freuen uns über jede Unterstützung in dieser ungewissen Zeit."

Es ist ein kleiner Laden mit wenig Laufkundschaft. Ich hoffe und wünsche, daß sie wieder werden öffnen können.


siehe auch: #4


Nachtrag (23.3.2020): Süßstoff ist online

Nachtrag (25.3.2020): hier kann man Gutscheine kaufen

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Mittwoch, 18. März 2020
covid-corona-blog #4: deskriptive, qualitative Beschreibung
In Deutschland gilt das Robert-Koch-Institut (RKI) als Non plus ultra in Sachen Ansteckungskrankheiten.
Ich halte fest:
- 21.1.2020: geringes Risiko
- 27.1.2020: sehr geringes Risiko
- 28.2.2020: gering bis mäßiges Risiko
- 02.3.2020: mäßiges Risiko
- 17.3.2020: hohes Risiko

Wünscht man sich nicht ein bißchen Antizipation? Man will doch eigentlich über ein Risiko informiert werden bevor es soweit ist. Ich denke dabei an Sturmwarnungen des DWD.

Nun gut, das RKI schreibt:
"Bei der Risikobewertung handelt es sich um eine deskriptive, qualitative Beschreibung. Den für die verwendeten Begriffe 'gering', 'mäßig', 'hoch' oder 'sehr hoch' liegen keine quantitativen Werte für Eintrittswahrscheinlichkeit oder Schadensausmaß zugrunde." oh-ha. "Allerdings werden für die Schwerebeurteilung ... Übertragbarkeit, Schwereprofil und Ressourcenbelastung ... mit jeweils quantifizierbaren Parametern beurteilt."
Ich nehme an "quantifizierbar" heißt nicht, daß sie quantifiziert werden.
Außerdem wird betont, der "IST-Zustand der epidemiologischen Lage in Deutschland" geht in die Risikobewertung ein.


siehe auch: #3


Nachtrag: Bei uns funktionieren die Lieferdienste nicht mehr, dh wenn man Lebensmittel online bestellen will, muß man einen Slot für die Lieferung wählen. Es gibt aber keinen freien. Daß amazon 100.000 Stellen ausschreibt, könnte damit zusammenhängen. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt amazon-Aktien zu kaufen.

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Dienstag, 17. März 2020
covid-corona-blog #3: elefand
Unsere Ausgangssperre ist seit heute in Kraft. Beim Lesen der Details stellt sich heraus, daß sie doch nicht so restriktiv ist, wie es klingen mag. Es ist also nicht weiter verwunderlich, daß ich heute morgen als erstes eine Joggerin auf der Straße gesehen habe.

Man soll sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen (die web-Adresse beinhaltet "elefand"). Allerdings funktioniert die Seite nicht (überlastet?). Glücklicherweise haben wir das bereits vorgestern erledigt.


siehe auch: #2

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zusammenhangslos
Owen Pomery
"Owen has a professional and educational background in architecture. He has spent the past nine years specialising in illustration, with his particular area of interest being architectural narrative."

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covid-corona-blog #2: shelter in place
In der Bay-Area wurde jetzt eine Ausgangssperre verhängt, für drei Wochen ab Mitternacht (ab dem 17.3.):
"The order limits activity, travel and business functions to only the most essential needs. ... The order defines essential activities as necessary for the health and safety for individuals and their families."
Was essential bedeutet, ist spezifiziert und beinhaltet verschiedene Geschäfte. Man kann halt nicht draußen spazieren gehen.

Dann noch zwei Links:
- endcoronavirus.org habe ich mir nicht näher angeguckt
- Coronavirus: Warum Herr Drosten jetzt endlich schweigen sollte ein kritischer telepolis-Artikel zur Situation in Deutschland

Nachtrag: Wir haben beschlossen, die nächsten drei Monate hier zu bleiben. Niemand weiß, ob es so kommen wird. Es kann sein, wir müssen weitere sechs Monate bleiben, oder es gibt eine kurzfristige Aufforderung des Auswärtigen Amtes, nach Deutschland zurückzukehren.


siehe auch: #1


Nachtrag (27.3.2020): #1-Link korrigiert.

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Montag, 16. März 2020
covid-corona-blog #1
Ich kann es selbst nicht mehr hören bzw. lesen. Das Thema Corona Virus bzw. Krise beherrscht alle Medien. Irgendwo hat ein Historiker argumentiert, es sei ein Ereignis historischen Ausmaßes und man solle ein Tagebuch führen, um die Geschehnisse festzuhalten. Das finde ich sinnvoll und will in dieser Serie ein paar Gedanken niederschreiben.

Mich erinnert die Situation an eine Kombination aus Weihnachten, Y2k und SoFi. Weihnachten, weil alle einkaufen und es sonst eher ruhig wird. Y2k, weil eine Katastrophe droht, man aber nicht weiß welchen Ausmaßes. SoFi, weil die Situation an eine Massenhysterie erinnert.

Ich will zunächst ein paar positive Dinge nennen.
- In den sozialen Medien lese ich viel vernünftige Sachen unter den Tags #FlattenTheCurve #SocialDistancing #StayAtHome #Nachbarschaftshilfe. Die Idee ist, daß man seine physischen, sozialen Kontakte drosseln soll, um dadurch die Ansteckungen zu minimieren. Es geht darum, die Welle der Erkrankungen flach zu halten, damit das Gesundheitssystem damit fertig wird. Man soll also zuhause bleiben. Neuerdings wird das aber relativiert - man soll sich in seiner Nachbarschaft gegenseitig helfen, aber nur einem kleinen Kreis und nicht jeder jedem.
- Für meine Klimawandelkollegen ist das eine Art Reality Check. Offensichtlich gibt es noch andere Gefahren für die Menschheit als den Klimawandel. In letzter Zeit haben Greta&Co so viel Aufmerksamkeit a la Fridays for Future erhalten, daß man jetzt die letzten Zuckungen beobachten kann. Sie versuchen zu argumentieren, daß man beim Klimawandel ähnlich resolut vorgehen soll, wie bei dieser Krise. Versteht mich nicht falsch - den Klimawandel gibt es und er wird schwere Folgen haben. Aber es gibt eben noch andere Risiken (es ist nicht alles Klimawandel) und jetzt beobachten wir, wie praktisch von einem Tag auf den anderen der gesamte Globus von einer Krise getroffen wird, mit allem Drum und Dran (Tote und Rezession, respectively).
- Mein Laden hat sich immer gegen Homeoffice gewehrt, jetzt ist es verpflichtend.
- Wir sollten die Zeit nutzen, um endlich mal etwas zu schaffen. Aus einer Not, eine Tugend machen. Die Ruhe produktiv nutzen.
- Fußball-Spiele werden abgesagt. Es wird diskutiert die bevorstehende EM zu verschieben.

Dann will ich noch etwas zu unserer Situation sagen. Wir sind seit fast einem halben Jahr in den USA. Wir haben seit Wochen befürchtet, daß das Virus in Europa bzw. Deutschland grassieren würde und die USA Einreisen unterbinden würden. Das ist jetzt tatsächlich eingetreten (was eine offensichtliche politische Note hat). Da wir hier Einkommen und Wohnung haben, und bei einer Ausreise wahrscheinlich nicht so bald zurückkehren können, planen wir hier zu bleiben. Allerdings beginnen Länder in Europa damit, ihre Grenzen gänzlich zu schließen bzw. ihre Landsleute zur Rückkehr aufzufordern. So daß wir nicht wissen, wie es weitergeht.

Mit unserem fast einjährigen Sohn haben wir dieses Wochenende das Leben in Isolation begonnen (vorher waren wir natürlich auch schon vorsichtig). Es stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, weil er unterhalten werden will und man nicht den ganzen Tag zuhause bleiben kann. Auf dem Spielplatz läuft man Gefahr, anderen Leuten zu begegnen. Wir fragen uns auch, wer ihn aufnehmen kann, sollten wir beide schwer erkranken.

Unterdessen gibt es seit gestern an der Uni den ersten bestätigten Fall. Es handelt sich um eine(n) Graduate Student, der/die aber nicht auf dem Campus lebt. Jedenfalls betreibt die Uni eine sehr gute Informationspolitik. Unabhängig davon ist im Haus gegenüber gestern ein Rettungswagen und die Feuerwehr mit viel Tamtam aufgefahren. Ein junger Asiate mit Mundschutz kam heraus und sie haben Temperatur und Blutdruck gemessen. Mehr habe ich nicht sehen können. Nach einer Weile sind sie wieder abgefahren und haben ihn dagelassen.

Zum Abschluß noch ein interessantes Detail am Rande: die Bertelsmann-Stiftung forderte, über die Hälfte der Kliniken zu schließen.

Ich denke, in Deutschland hat man zu moderat reagiert und hätte schneller stärkere Maßnahmen ergreifen sollen. Meine Vermutung ist, daß die Regierung(en) eine schrittweise Taktik gewählt hat/haben, um keine Panik zu verursachen. Ich würde mir ja eine Europäische Strategie wünschen. Aber da sitzt gerade einer unserer besten Leute.


siehe auch: 20.2.2020, 3.3.2020, 4.3.2020, 8.3.2020, 12.3.2020


Nachtrag: Lange hatte ich das Gefühl, daß es eine Art Übung ist. Gleichzeitig denke ich, viele Leute haben eine gewisse Faszination für Pandemien.

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