Donnerstag, 28. Mai 2009
"Marionette eines sozialistischen Staates" (Der Spiegel)
Letzte Woche wurde bekannt, daß der Polizist Karl-Heinz Kurras, der 1967 Benno Ohnesorg erschossen hat, Stasi-Agent und Mitglied der SED war.
Hier will ich nun auch ein paar zusammenhangslose Gedanken zu dem Thema los werden, auch wenn sich die damaligen Ereignisse einige Jahre vor meiner Geburt zugetragen haben.

Wie heute wohl unumstritten ist, hat die Studierendenbewegung der 60er Jahre tiefgreifende Veränderungen in Gesellschaft und Staat bewirkt - in positivem als auch (zumindest indirekt) in negativem Sinne. Die gesellschaftlichen Spannungen waren so ausgeprägt, daß die Revolte eigentlich nur eine Frage der Zeit war. So gesehen ist der Tod Ohnesorgs als Auslöser - nicht als Ursache - zu verstehen. Wie ich zu bedenken geben möchte, kam es 1971 zu einem weiteren Todesfall, nämlich Georg von Rauch. Sicherlich wäre die Geschichte anders verlaufen, hätte die Studierendenschaft damals von Kurras Stasi-Verbindung gewußt, an der Bewegung als ganzes hätte sich aber wohl nicht viel geändert.

Interessant finde ich die neuen Erkenntnisse vor dem Hintergrund der Rechtsprechung. Offensichtlich kam es damals zu Vertuschungen, und der Schütze wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Leute, die ihn damals geschützt haben, wollen ihn heute bestmmt am liebsten hinter Gittern sehen und ihm seine Pensiosnansprüche strittig machen. Und das nur aufgrund einer Information - es hat sich ja nichts geändert, man weiß nur eben mehr.

Offensichtich hat die Stasi damals gute Arbeit geleistet, Kurras anzuwerben. In diesem Fall hat die Spionageabwähr der BRD auf ganzer Linie versagt. Ströbele hat dem Spiegel gegenüber sogar zu bedenken gegeben, ob sich DDR-Stellen in West-Berlin für Kurras eingesetzt haben könnten. Von den Stasi-Akten sind wohl
noch einige Überraschungen zu erwarten. Interessant bleibt, was in Kohls Unterlagen steht, die ja vor einigen Jahren nicht freigegeben wurden.

außerdem: "Manipulative Züge" (FR, 27.05.2009)

PS: sorry, no English this time